Kultur.Frust.Standard
Ärgern, Kultur, Medien 22.02.2008 - 07:53:10Die Premierenkritik von “We will rock you” nehme ich zum Anlass, meinen oftmaligen Frust über Kulturberichterstattung des STANDARD zu bejammern.
Angetreten ist der STANDARD, und ich kann mich – als Leser vom ersten Tag an – noch gut daran erinnern, um eine liberale Note in die erstarrte österreichische Zeitungslandschaft zu bringen. Unter “liberal” verstehe ich, dass man im Großen und Ganzen alles zuläßt, was nicht einem anderem schadet. Nun, in der Kulturberichterstattung scheint dieser Grundsatz offenbar nicht zu gelten. Gnadenlos wird meist niedergemacht, was nicht ins eigene Geschmacksschema passt. Und das pointiert, in möglichst wohlgeschliffenen Worten, als schriebe man um den Literaturnobelpreis.
Dass einem das Musical “We will rock you” und gleichzeitig auch die Musik von Al Green oder John Coltrane gefallen kann, erlaubt die STANDARD-Kulturgeschmackspolizei nicht. Vielleicht auch noch nach Mörbisch fahren und in die Szene Wien gehen? Nie und nimmer, dafür gibt es im STANDARD keine Schublade. Offenbar suhlt man sich lieber im immer gleichen “Kultursumpf” und weidet sich an den brillant geschriebenen, vernichtenden Verrissen. Vielleicht ein redaktionsinterner Wettkampf am Laufen?
So gerne ich den STANDARD lese, Kulturkritiken und -berichte sind oft nicht zu ertragen. Frustration und Inkompetenz geben sich immer wieder ein Stelldichein. Im Nachruf auf Georg Danzer schrieb Christian Schachinger z. B., dass Georg Danzer im Gemeindebau aufgewachsen wäre und “A Mensch mecht i bleibn” gesungen hätte. Beides absoluter Schwachsinn. Was soll man da noch sagen? Vielleicht “Schuster, bleib bei deinem Leisten” oder “Schon mal mit Rechererchieren probiert?”.
Dass den Damen und Herren Kulturkritikern des STANDARD das Stadthallenkonzert des Georg Danzer im April 2007, immerhin zum sechzigsten Geburtstag eines der wichtigsten österreichischen Musiker der letzten 40 Jahre, keine Zeile wert war, passt da nur ins Bild. Aber dafür einen inkompetenten Nachruf schreiben. Danke nein.
Bleibt mir nur mehr der Schlusssatz:
Mehr Kompetenz und vor allem mehr Liberalismus in die Kulturredaktion des STANDARD. Bitte, bitte, bitte!

